Beatmungsprobleme

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Bei der Heimbeatmung treten erfahrungsgemäß die unterschiedlichsten Probleme auf. Nicht jeder Körper reagiert gleich auf die Beatmung. Die Nase ist mal mehr, mal weniger empfindlich. Dem Einen bereitet der Druck der Maske am Kopf keine Probleme, der Andere ist - besonders am Kopf - extrem empfindlich. Nachfolgend habe ich einmal etwas näher beschrieben, welche Probleme so auftreten können und wie man diesen eventuell entgegenwirken kann.

Probleme mit der Maske

Problem / Nebenwirkung
Beschreibung
Ursache / Abhilfe
Die Maske sitzt nicht richtig. (I.)
An allen möglichen Stellen entweicht die Luft. Man kann nicht (ein-)schlafen.
Der Atemdruck ist zu hoch eingestellt. Falls möglich, den Druck herabsetzen und / oder die Maske stärker befestigen.
Die Maske sitzt nicht richtig. (II.)Schmerzen (Spannungsgefühl) im Bereich des Brustkorbes, unter Beatmung.Der Atemdruck ist zu hoch eingestellt. Falls möglich, den Druck herabsetzen.
Es entweicht im (Tief-) Schlaf Luft aus dem Mund (sogenanntes Mundleck)Man wird Müde und entspannt sich. Die durch die Muskelerkrankung geschwächte Muskulatur hält das Kinn nicht mehr, Luft entweicht, der Mund trocknet aus und man wacht auf
Hier kann die Verwendung einer Kinnhalterung helfen (aber unter der Maskenhalterung anzubringen, da sonst die Maske wieder verrutscht, d.h. erst Kinnhalterung anlegen, dann die Maske).
Trotz Kinnhalterung entweicht Luft zwischen den Zähnen. (Nasenmaske)Das Luftleck wird auch durch die Kinnhalterung nicht geschlossen.
Falls möglich, den Druck herabsetzen, oder der Einsatz einer konventionellen Mund- / Nasenmaske oder wenn dies auch nicht funktioniert, die Anfertigung einer individuellen Mund- / Nasenmaske.
Der Schlauchansatz zur Maske "quietscht".Der Beatmungsschlauch, der direkt in die Maske führt, ist so aufgesetzt, das sich die Maske drehen lässt, wenn man sich nachts bewegt. Gelegentlich kommt es zu einem quietschenden Geräusch, wenn sich der "Anschluss" bei Bewegungen des Patienten (Drehbewegungen des Kopfes) am Material der Maske reibt.Dieses "quietschen" kann man bei der nächsten Reinigung der Maske dadurch beheben, indem man den Ansatzstutzen (Verbindung zwischen Maske und Schlauch, dort wo der Schlauch in die Maske eingeführt wird) ein wenig mit Olivenöl einreibt. Achtung: Nicht zuviel Öl verwenden, da sonst eventuell der Stutzen unter der Beatmung herausflutschen kann.
Ein Hautpilz hat sich durch die Benutzung der Maske um Mund und / oder Nase gebildetDieses Problem tritt gelegentlich auch bei Standardmasken auf. Häufiger jedoch bei individuell angepassten Masken, da hier kein "Lufttotraum" entsteht und die Maske in direktem Kontakt mit der Haut steht.Durch den direkten Kontakt zwischen Haut und Maske (individuelle Maske), fängt die Haut an zu schwitzen und kann nicht wieder abtrocknen, solange beatmet wird. Ein idealer Nährboden für Hautpilze. Zur Vermeidung eines solchen Hautpilzes lege ich auf mein Gesicht (unterhalb der Nase) ein dünnes Stofftaschentuch (also Nase abwärts über den Mund und das Kinn). Dann die Vollmaske (Mund-Nasenmaske) vorsichtig aufsetzen. Die Nasenlöcher müssen natürlich frei bleiben. Nachts fängt sich der Schweiß im Taschentuch und das Kinn und der Mund bleiben trocken. Leider funktioniert dieser Trick nur mit der Vollmaske. Wenn sich bereits ein Hautpilz gebildet hat, dann helfen leider nur noch Medikamente. Dies sind i.d.R. spezielle Pilz-Salben, die man auch dort verwenden kann, wo Schleimhäute (Naseinnenraum) sind.
Dazu unbedingt den Hausarzt oder Facharzt aufsuchen.

 

Weitere Probleme, die bei der Beatmung auftreten können

Problem / Nebenwirkung
Beschreibung
Ursache / Abhilfe
Es gelangt Luft in den Magen.Durch die viele Luft im Magen kommt man ums aufstoßen nicht herum. Das führt auch dazu, dass man eventuell Bauchschmerzen bekommt, es wird einem übel und man kann nicht einschlafen.Der Atemdruck ist zu hoch eingestellt. Falls möglich, den Druck herabsetzen.
Die Nasenschleimhaut trocknet durch den ständigen Luftstrom aus.Durch den ständigen Luftstrom trocknen die Nasenschleimhäute aus und "reißen". Nasenbluten ist eine häufige Folge.

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten Abhilfe zu schaffen:

  • Vor dem Beatmen ein Nasenöl (z. B. Coldastop), das macht die Nasen-schleimhaut geschmeidig.
  • Nach dem Beatmen eine Nasensalbe (z. B. Bepanthen Roche).
  • Während der Beatmung einen medizinischen Luftbefeuchter der zwischen Beatmungsgerät und Atemmaske zwischengeschaltet wird.
  • Eine weitere gute Möglichkeit, die bei mir zum Erfolg führt, ist ein Meerwasser-Nasenspray (oder anders ausgedrückt: eine Kochsalzlösung) vor dem Beatmen zur Befeuchtung der Nasenschleimhaut und auch tagsüber öfter mal einige Sprühstöße. Diese Nasensprays sind rezeptmittelfrei in jedem gut sortierten Lebensmittelgeschäft erhältlich.
NasenblutenDurch den ständigen Luftstrom trocknen die Nasenschleimhäute aus und "reißen". Nasenbluten ist eine häufige Folge.Siehe oben "Nasenschleimhaut trocknet aus".
Die Nase schwillt zu.
Die Nase bzw. die Nasenschleimhäute schwellen unter der Beatmung zu. Eine Beatmung durch die Nase wird erschwert bis unmöglich.Auch hier gibt es mehrere Lösungsansätze:
  • Lassen Sie durch einen HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt) abklären, ob die Atemwege frei sind, (z.B. dass keine Nasenscheidewandverkrümmung vorliegt). Dies Problem sollte dann erst korrigiert werden.
  • Ein Nasenspray zum Abschwellen der Nasenschleimhäute (z. B. Atrovent LS).
Achtung: Kein aggressives Nasenspray, dies würde die Nasenschleimhaut nur zusätzlich reizen bzw. sogar dazu führen, das die Nasenschleimhaut sich zurückbildet bzw. die Schleimhaut dauerhaft anschwillt und ein solches Spray im Ernstfall einmal gar nicht mehr wirkt.
Panikattacken bei der Beatmung.Man hat das Gefühl man muss mit Kraft gegen die Beatmungsmaschine "anatmen". Es will sich kein Rhythmus einstellen. Man fängt eventuell auch an zu hyperventilieren. Es stellt sich Angst ein, die zur Panik werden kann.    
Zunächst Veränderung (Verringerung) des Druckes zur Gewöhnung an die Maske, ggfs. ausführliche(s) Gespräch(e) mit den Fachärzten oder aber auch mit dem ausgebildeten Fachpersonal wie Schwestern und MTA´s. Es handelt sich hier sicher nicht nur um ein "apparatetechnisches" Problem. Grundsätzlich ist die innere Einstellung, wie bei vielen anderen Dingen, ein wichtiger Bestandteil, dass die Beatmung funktioniert. Die Beatmung muss als sinnvoll und (über-) lebensnotwendig erkannt werden.

 

Probleme mit dem Beatmungsgerät

Problem / Nebenwirkung
Beschreibung
Ursache / Abhilfe
Das Beatmungsgerät wird während der Beatmung übermäßig laut.
Das Beatmungsgerät wird ohne klar erkennbaren Grund plötzlich laut. Das Gerät wurde wenig bewegt, nur die Schläuche wurden gereinigt.
  • Die Luftfilter sind unter Umständen stark verschmutzt. Ein Austausch durch saubere Luftfilter kann den Lärmpegel reduzieren.
  • Zu hoher Druck. Abhilfe ist hier kaum möglich, da der Druck ja für die Beatmung erforderlich ist. Eventuell das Gerät anders stellen z. B. hinter einen Paravent (spanische Wand) Achtung: Nicht das Gerät zustellen oder den Luftfilterbereich verdecken!.
  • Manchmal steht das Gerät etwas ungünstig (Der Schlauch ist am Gerät eventuell zu stark abgewinkelt). Da hilft eventuell schon ein wenig hin und her ruckeln - ohne Gewalt (Veränderung des Luftaustrittswinkels am Schlauchausgang).
Das Beatmungsgerät "pfeift".Das Beatmungsgerät pfeift oder man hat das Gefühl die Schläuche "singen".Manchmal steht das Gerät etwas ungünstig. Da hilft eventuell schon ein wenig hin und her ruckeln. (Veränderung des Luftaustrittswinkels am Schlauchausgang). (Siehe oben).
Der Beatmungsdruck erscheint Ihnen zu niedrig.
Sie haben unter der nächtlichen Beatmung den Eindruck, das Sie nicht mehr richtig durchatmen können, oder sie schlafen wieder schlecht durch.
  • Die Luftfilter sind unter Umständen stark verschmutzt. Saubere Filter sorgen eventuell für die richtigen Druckverhältnisse.
  • Normalerweise sollte sich nach der Grundeinstellung der Geräte durch die Klinik in der nächsten Zeit nichts verändern. Wenn Sie im Laufe der Zeit wieder mit Durchschlafproblemen und den bekannten Symptomen zu kämpfen haben, dann ist eine Überprüfung der Einstellungen notwendig. Die Einstellungen sollten von den Sie betreuenden Fachärzten vorgenommen werden.

 

Probleme mit den Schläuchen

Problem / Nebenwirkung Beschreibung
Ursache / Abhilfe
Der Druck baut sich nicht richtig auf.Der Luftdruck baut sich nicht auf. Nach Überprüfung der Schläuche stellen Sie ein Luftleck im Schlauch fest. Der Schlauch muss ausgetauscht werden. Verordnung vom Hausarzt ausstellen lassen. Das Rezept mit kurzer Erklärung an den Hersteller des Beatmungsgerätes schicken. Der Ersatzschlauch wird umgehend zugeschickt.
Die Schläuche machen Geräusche.   
Die Schläuche machen merkwürdige Geräusche. Pfeifen, Zischen, Heulen etc.    
Häufig entstehen diese Geräusche, nachdem die Schläuche gereinigt wurden und wieder mit dem Beatmungsgerät und dem Luftbefeuchter verbunden wurden. Oft sind die Schläuche dabei verdreht worden. Versuchen Sie die Schläuche möglichst grade anzubringen. Vermeiden Sie scharfe Kurven oder ein abknicken der Schläuche, um dem Luftdurchfluss ungehindert zu gewährleisten. Im Handel (Medizinbedarf) sind auch entsprechende Winkel als Verbindungsstücke zwischen Beatmungsgerät und Luftbefeuchter erhältlich (Verordnung durch den Hausarzt).

 

Erkältung und Beatmung

 

Problem / Nebenwirkung Beschreibung
Ursache / Abhilfe
Die Nase ist verstopft.Sie haben eine (starke) Erkältung. Ihre Nase ist verstopft. Sie bekommen unter der Beatmungsmaske keine Luft.
  • Hausarzt aufsuchen.
  • 5 bis 10 Minuten vor dem Zubettgehen ist ein medizinisches Nasenspray zu empfehlen. Damit schwellen die Nasenschleimhäute ab.
  • Eventuell sind Inhalationen mit einer hypertonen Kochsalzlösung (3-5%) mittels eines dafür geeigneten Tröpfchenverneblers (z. B. Pari Turboboy) über einen Zeitraum von mehreren Tagen hilfreich. Das löst den Schleim und kann die Atmung erleichtern.
Starker Husten verhindert Ihren Schlaf.    

  
Durch einen starken Husten ist Ihnen die Beatmung kaum oder gar nicht möglich. Ihr Schlaf leidet sehr stark und Sie haben keine Erholung mehr durch den Schlaf.    
  • Hausarzt aufsuchen.
  • Auch hier sind eventuell Inhalationen mit einer hypertonen Kochsalzlösung (3-5%) mittels eines dafür geeigneten Tröpfchenverneblers (z. B. Pari Turboboy) über einen Zeitraum von mehreren Tagen hilfreich. Das löst den Schleim und kann die Atmung erleichtern.
  • Je nach Schwere des Hustens, ist im äußersten Fall in Absprache mit dem Arzt ein hustenstillendes Mittel (nur zur nächtlichen Anwendung) ratsam. Das Hustenmittel darf aber nicht den Atmungsantrieb dämpfen, sondern sollte nur den Hustenreiz während der Schlafphase unterdrücken.

Wichtiger Hinweis

Anmerkung:
Die oben genannten Medikamente (sowie das Beatmungsgerät, Luftbefeuchter, etc.) sind mir bei meiner Behandlung empfohlen bzw. verordnet worden. Medikamente sind ausschließlich vom Arzt zu verordnen. Eine Selbstmedikamentierung sollte auf jeden Fall unterbleiben. Ich bin selbst eigentlich kein Freund von Medikamenten. Wenn allerdings eine gewisse "Schmerzgrenze" überschritten wird, kann man dennoch auf einige nützliche Medikamente zurückgreifen.

Viele der oben geschilderten Probleme lassen sich recht einfach vermeiden. Wie? Zum Beispiel durch eine individuelle Mund-Nasenmaske. Auf dieses Thema möchte ich im weiteren Verlauf eingehen.