Atemtherapie

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Was ist Grundlage für eine Atemtherapie bei Morbus Pompe?

Wichtig bei der Beurteilung, ob mit einer Atemtherapie begonnen werden soll, ist der erhobene Befund des Patienten und nicht die eigentliche Erkrankung. Was heißt das nun für die Morbus Pompe Betroffenen. Dazu möchte ich etwas ausholen.

Im Laufe der letzten Jahre haben sich durch viele Gespräche mit Betroffenen 3 (grobe) Verlaufsformen für mich herauskristallisiert:

  • Beginn der Erkrankung mit Einschränkungen in der Kraft der Extremitäten, d.h. Arme, Beine, Stützapparat ohne (spontan) erkennbaren Einfluss auf die Beatmung.
    Extrembeispiel: Schon im Rollstuhl sitzend aber noch ohne Beatmung.

  •  Beginn der Erkrankung mit Einschränkungen in der Atemmuskulatur mit den bekannten Symptomen (s.a. unter "Beatmung") aber ohne wesentliche Einschränkungen in der Kraft (Extremitäten).
    Extrembeispiel: Noch relativ gut gehen oder Fahrrad fahren können aber schon beatmet werden.

  • Paralleler Beginn von sowohl Einschränkungen in der Kraft der Extremitäten als auch der Atemmuskulatur.


Der am häufigst vorkommende Verlauf (zumindest bei den adulten Betroffenen) ist wohl die erste Form, aber nicht in der oben beschriebenen Extremform. Erst treten Einschränkung in der Kraft und dann im weiteren Verlauf Einschränkungen der Atemmuskulatur auf.

Was heißt das nun wiederum für den Beginn einer Atemtherapie?

Da (leider) im Normalfall die Atmungsmuskulatur kurz- bis mittelfristig immer betroffen ist, macht eine Atemtherapie für jeden Pompe-Betroffenen Sinn.

  • Für die, die noch ohne Einschränkungen der Atmungsmuskulatur sind, als Prophylaxe, für die, die bereits Einschränkungen haben, zur Unterstützung bei der Atmung ohne Beatmungsgerät.
  • Bei tracheotomierten Pompe-Patienten halte ich die Atemtherapie für obligatorisch (Erleichterung der Atmung und Förderung des Sekretabflusses) .

Wer führt die Atemtherapie durch?

Die Atemtherapie kann in der Regel von einem Physiotherapeuten durchgeführt werden. Sprechen Sie Ihren Therapeut hierauf an. Häufig kann Ihnen der Hausarzt oder Lungenfacharzt (Pneumologe) auch entsprechende Spezialisten benennen.

Was wird bei der Atemtherapie gemacht?

Zunächst ist der Befund (Lunge, Lungenfunktion, Lungenrestkapazität, CO2-Sättigung, etc.), der durch einen Lungenfacharzt oder ein Schlaflabor erhoben wurde, mit dem Therapeuten durchzusprechen. Die Behandlung richtet sich individuell nach den bisherigen Symptomen bzw. Einschränkungen (wie auch bei der KG).

Die Möglichkeiten bei der Atemtherapie sind vielfältig. Die nachfolgende Auflistung* soll nur eine grobe Übersicht sein. Die Details werden mit dem jeweiligen Therapeuten erarbeitet.

  • "Ein- und Ausatmung
    • Förderung der Einatmung
    • Förderung der Ausatmung
  • Atmung und Bewegung
    • Aktive und passive Dehnzüge
    • Aktive Bewegungen
  • Dehnlagen- und Stellungen
    • Dehnlagen nach Haase
  • Atemerleichternde Stellungen
  • Grifftechniken am Thorax
    • Massagegriffe
    • Passive Hilfe beim Ausatmen
  • Sekretlösung und -beförderung
    • Vibrationen am Thorax
    • Autogene Drainage (nach J. Chevallier)
    • Zusatzmaßnahmen (Inhalation, Salben, Getränke, feucht-heiße Wickel, heiße Rolle)
  • Hustentechniken
  • Drainagelagerungen
  • Umlagerungen
  • Zwerchfellatmung (Bauchatmung)
  • Apparative Atemhilfen
    • IPUP (Intrapulmonale Perkussion oder Jet-Inhalation)
    • Atemtrainer (auch für Kinder)
  • Inhalationsbehandlung (Inhalationstherapie)"

Anmerkung: Nicht alles kommt für jeden in Frage! Befragen Sie hierzu Ihren betreuenden Facharzt.

Ziel der Atemtherapie

Eines der Hauptziele ist die längstmögliche Erhaltung der Atemmuskulatur.

Desweiteren soll mit den Methoden der Atemtherapie u.a. die Atemarbeit erleichtert werden. Bindegewebe und Muskulatur sollen gelockert werden, es soll eine erleichterte und verlängerte Ausatmung ermöglicht werden. Die Sekretolyse und der Sekretabbau sollen gefördert werden. Pneumoniefreiheit, verbesserte Vitalkapazität und Thoraxmobilität sollen ebenfalls erreicht werden.