Hilfsmittel zur Mobilität

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Einleitung

Der Begriff "Mobilität" kommt aus dem lateinischen und heißt übersetzt "Beweglichkeit", etwas das bei einer Muskelerkrankung irgendwann nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich ist.

Bei den nachfolgenden Beispielen und Erläuterungen soll aufgezeigt werden, wie man diesen "Mangel" an Beweglichkeit möglichst gut und geschickt ausgleichen kann. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf den Personenkreis der Morbus Pompe Betroffenen gerichtet. Diese Erkrankung schreitet bei der juvenilen und adulten Form in der Regel relativ langsam voran, dennoch bleibt es ein progressives Krankheitsbild, mit zunehmender Verschlechterung der Muskulatur, was zu den besagten Mobilitätseinschränkungen führt.

Der Patient benötigt im Verlauf der Erkrankung, je nach Schweregrad, unterschiedliche Hilfsmittel und Mobilitätsunterstützung. Es fängt irgendwann mit einem Gehstock an. Der Stock wird später durch eine fahrbare Gehhilfe oder Rollator und irgendwann durch einen Rollstuhl ersetzt. Hinzukommen verschiedene Aufstehhilfen und eventuell sogar ein umgerüsteter PKW. Auch wohnraumverbessernde Maßnahmen sind häufig erforderlich.

Dieser Ablauf zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Krankheitsverlauf. Bei dem Einen früher, bei dem Anderen später. Das ist nicht erfreulich, aber leider nicht zu verhindern.

Die auf den nächsten Seiten aufgeführten Beispiele sollen Ihnen als Anhaltspunkte dienen, was ist wann sinnvoll und erforderlich und was benötigt man eigentlich nicht.

Im weiteren Verlauf werden die verschiedenen Hilfsmittel separat dargestellt. Ich bitte hierbei zu beachten, das diese Listen, Tabellen und Darstellungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Einigen mag diese Art der Betrachtung und der Zusammenstellung bzw. Kategorisierung der Hilfsmittel eigenartig erscheinen. Ich versuche aber aus der Sicht eines Pompe-Betroffenen die wesentlichen Hilfsmittel zur Aufrechterhaltung der Mobilität aufzuzeigen.

Anmerkung:
Für weitere Informationen, insbesondere zu Modellen und Ausstattungsmerkmalen der folgenden Hilfsmittel, empfehle ich Ihnen den Kontakt zu einem Sanitätshaus Ihres Vertrauens.

 

Aufstehhilfen

Aufstehhilfen aller Art sind bei der Muskelerkrankung Morbus - Pompe von besonderem Interesse. Im Verlauf der Erkrankung tritt immer mehr das Problem auf, aus eigener Kraft aus dem Sitzen hoch zu kommen. Das Aufstehen von Sesseln, Stühlen, Sofas, Bett und Toilette etc. wird immer beschwerlicher. Die Kraft der Rückenmuskulatur und der Beine reicht nicht mehr aus, um sich "hochzudrücken".

Das Aufstehen wird zum Geduldspiel und zur akrobatischen Übung, die irgendwann extrem kräftezehrend wird. Man sucht sich immer öfter eine Sitzmöglichkeit wo in der Nähe ein Objekt ist, auf das man sich beim Aufstehen aufstützen - um nicht zu sagen "draufwerfen" - kann. Der anschließende Vorgang des "Hochdrückens" des gesamten Körpers in den Stand fordert irgendwann seinen Tribut. Die Schultergelenke und Handgelenke schmerzen durch die einseitige Beanspruchung und die Kräfte in den Armen versagen irgendwann. Ganz abgesehen von dem Risiko, dass das Objekt, auf das man sich stützt zu leicht, beweglich oder nicht entsprechend stabil genug ist und beim Aufsteh- und Hochdrückvorgang wegrutscht. Die Sturzgefahr ist groß.

Damit es soweit nicht kommt, sollte man frühzeitig gegensteuern und zwar mit geeigneten Aufstehhilfen.

Aufstehhilfen gibt es in den verschiedensten Varianten. In der nachfolgenden Übersicht unterscheide ich einmal zwischen mobilen und stationären Aufstehhilfen.

Aufstehhilfen - Übersicht

Aufstehstuhl

Relevanz für Pompe-Betroffene: mittel - hoch

Eins vorweg: Aufstehstühle sind keine Rollstühle! Aufstehstühle gibt es in verschiedenen Varianten, mechanische und elektrische Hubvorrichtungen, sowie manuell fahrbare bzw. elektrisch fahrbare. Wenn es denn ein Aufstehstuhl sein soll, dann ist die elektrische Variante vorzuzuziehen. Das schont die Körperkräfte.

Vorteile eines Aufstehstuhles:

  • Für die Verwendung im Haus geeignet.
  • Relativ klein und wendig - wie ein normaler Stuhl.
  • Entlastet die Arm- und Beinmuskulatur beim Aufstehen (Kraftunterstützung durch die Hubvorrichtung).


Nachteile eines Aufstehstuhles:

  • Er ist für den Außenbereich völlig ungeeignet.
  • Ein elektrischer Aufstehstuhl ist teuer.
  • Die Genehmigung durch die Krankenkassen wird zunehmend schwieriger.
  • Für eine gewisse Zeit ist der Aufstehstuhl durchaus nützlich und hilfreich, ist aber leider keine dauerhafte Lösung, da die Muskelerkrankung immer weiter voranschreitet.

Beispiele für Aufstehstühle:

Elektrorollstuhl mit Aufstehfunktion

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

Zum Thema Rollstühle komme ich noch im weiteren Verlauf . An dieser Stelle soll nur auf besondere Rollstühle hingewiesen werden - auf Elektrorollstühle mit Aufstehfunktion.

Diese Art des Rollstuhles ist meines Erachtens, das Mittel der Wahl bei Morbus Pompe, wenn der Patient langfristig seine Kraft erhalten möchte.

Der Elektrorollstuhl mit Aufstehfunktion ist eigentlich ein ganz "normaler" großer Elektrorollstuhl, der aber auf Grund seiner Aufstehfunktion in besonderem Maße zur Mobilität von Pompe-Betroffenen beiträgt. Er vereinigt die Möglichkeit sich im Haus und außerhalb des Hauses selbstständig zu bewegen und der Patient ist jederzeit in der Lage mit Hilfe der Hubvorrichtung in den Stand zu kommen.

Nachfolgend einige Hersteller, die solche Spezialrollstühle vertreiben:

Anmerkung:
Im Zusammenhang mit dieser Art Rollstühlen wird auch immer wieder von elektrischen Stehstühlen gesprochen.


Der Unterschied zwischen zu Aufstehrollstühlen und Stehrollstühlen ist folgender:

Bei Aufstehrollstühlen wird die Sitzfläche hochgefahren und ggfs. angewinkelt. Das erleichtert das "in den Stand kommen" erheblich. Einige Aufstehrollstühle haben auch noch eine Kipp- und Liegefunktion. Hierbei wird der Rücken und das Gesäß entlastet. Die Entlastung dient unter anderem zur Dekubitus-Vorbeugung.

Bei Stehrollstühlen wird der Patient in den Rollstuhl fest eingespannt. Beine und Oberschenkel werden mit geeigneten Bändern festgezurrt. Der Patient wird dann in den Stand gefahren und kann im Stand dann auch fahren (bedingt). Das Stehen dient der therapeutischen Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems. Der Stehstuhl wird u.a. zur Therapie von Querschnittsgelähmten eingesetzt, die keinerlei Kraft mehr in den Beinen haben.

Bevor man sich als Pompe-Patient für einen therapeutischen Stehstuhl entscheidet, sollte man sehr sorgfältig prüfen, inwieweit man sich noch selbst festschnallen und wieder losschnallen kann ohne Hilfspersonen! Genau aus diesem Grund werden Stehrollstühle nämlich immer häufiger von den Krankenkassen abgelehnt. Hinzu kommt, dass diese Sonderfunktion sehr teuer ist.

Für weitere Informationen , insbesondere zu Modellen und Ausstattungsmerkmalen empfehle ich Ihnen den Kontakt zu einem Sanitätshaus Ihres Vertrauens.

Badewannenlift

Relevanz für Pompe-Betroffene: mittel

Ein Badewannenlift ist eine in die Badewanne eingelassene Hubvorrichtung. Diese ermöglicht die Absenkung des Körpers im Sitzen auf den Wannenboden. Solange der Pompe-Patient noch relativ gut allein aufstehen kann, ist eine solche Badewannen-Hubvorrichtung durchaus zweckmäßig. Mittelfristig bis langfristig ist dieses Hilfsmittel jedoch meines Erachtens nach ungeeignet, da man aus der Sitzposition ohne Hilfe nicht mehr hochkommt. Bei Pompe Betroffenen, die bereits eine ausgeprägte Zwerchfellschwäche haben, kommt das Problem des Wasserdrucks in der Badewanne hinzu. Der Wasserdruck auf den Bauch führt unter Umständen zu Kurzatmigkeit und Atemnot.

Pflegelattenrost (Pflegeeinlegerahmen) / Pflegebett

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

Der Pflegelattenrost bzw. das Pflegebett ist unverzichtbar, wenn man sich nicht jeden Morgen aus seinem Bett quälen möchte.

Unterschied zwischen Pflegebett und Pflegelattenrost (Pflegeeinlegerahmen):

Das Pflegebett ist ein separates Bett mit elektrisch verstellbaren Lattenrost, Absturzsicherung an beiden Seiten und Aufrichthilfe (Galgen) am Kopfteil. Der Lattenrost lässt sich elektrisch sowohl im Kopf- und Fußteil als auch in der Höhe individuell einstellen. Bei einigen Modellen kann der Lattenrost bis in eine Höhe von ca. 1,20 m gefahren werden. Damit soll dem Pflegepersonal ein erleichterter Zugang zum Patienten ermöglicht werden und es wird dem Patienten auch das Aufstehen aus dem Bett erleichtert.

Diese Art des Pflegebettes ist für einzelne Personen gut geeignet.

Für Partner-Ehebetten eignet sich besser der Pflegelattenrost. Dieser Lattenrost wird anstelle des alten Lattenrostes in das Bett eingesetzt, hat aber sonst die gleichen Funktionen wie das Pflegebett. Ein klarer Vorteil ist, dass das Schlafzimmer bzw. die Betten unverändert bleiben. Ein Pflegelattenrost kann selbstverständlich auch in ein gutes Einzelbettgestell eingesetzt werden.

Eine schönen Überblick über das was in Bezug auf Pflegebetten heute technisch machbar ist, können Sie auf der dieser Website sehen: www.physionova.de (nur exemplarisch).

Für weitere Informationen , insbesondere zu Modellen und Ausstattungsmerkmalen empfehle ich Ihnen den Kontakt zu einem Sanitätshaus Ihres Vertrauens.

Toilettensitzerhöhung

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

Die Toilettensitzerhöhung sollte eines der ersten Hilfsmittel sein, das man sich bei Morbus Pompe besorgt.

Hier gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Wenn man neu baut oder das Bad / Toilette umbaut, sollte man unbedingt die Toilette erhöht anbringen lassen. Ansonsten hilft nur noch eine Toilettensitzerhöhung. Auch hier gibt es viele Varianten bis hin zu elektrischen Modellen. Mit der Toilettensitzerhöhung kommt man als Pompe-Patient wieder deutlich leichter in den Stand. Die manuellen Toilettensitzerhöhungen sind in Sitzhöhen zwischen 5 cm und 15 cm erhältlich. Die Sitzerhöhung ist i.d.R. leicht montierbar und transportabel und kann so auch zu Gästen oder in den Urlaub mitgenommen werden.

Beispiele für Toilettensitzerhöhungen:

Gehhilfen

Gehhilfen dienen Menschen mit einer Gehbehinderung als Ausgleich zu der verminderten Belastbarkeit bzw. Leistungsfähigkeit der unteren Extremitäten. Die Zielsetzung ist dabei grundsätzlich die Erweiterung des vorher eingeschränkten Aktionsradius.

Zu den Gehhilfen zählen u.a. auch solche Geräte, die der Anwender im häuslichen Bereich für das Erlernen bzw. Trainieren des aktiven Gehens bzw. der selbständigen Fortbewegung benötigt.

Alle Gehhilfen entlasten Beine und Füße, verlangen dafür aber Kraft in Händen und Armen des Benutzers. Die Schwierigkeiten beim Gehen sind von Pompe-Betroffenen zu Pompe-Betroffenen sehr unterschiedlich, daher sollte bei der Auswahl von Gehhilfen vorher eine gründliche Beratung und Erprobung erfolgen. Dies kann in einem geeigneten Sanitätshaus Ihrer Wahl stattfinden.

Die nachfolgenden Gehhilfen sollen einen Überblick geben, welche Möglichkeiten es gibt. Wobei meines Erachtens nicht alle eine Relevanz für Morbus Pompe haben. Die Relevanz der Hilfsmittel für Pompe-Betroffene habe ich in drei Kategorien eingeteilt: gering - mittel - hoch. Dies werde ich anhand von Beispielen versuchen näher zu erläutern. Auf Bildmaterial wurde aus urheberrechtlichen Gründen weitestgehend verzichtet. Im Sanitätshaus gibt es aber Kataloge in denen alle Hilfsmitteln abgebildet sind.

Gehhilfen - Übersicht

Gehstöcke

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

In der Anfangsphase der Erkrankung sind Gehstöcke recht nützlich, um den unsicheren Gang (Watschelgang mit Neigung zu Stürzen) auszugleichen. Welche Art von Gehstöcken man benutzt, liegt u.a. in den persönlichen Vorlieben des Einzelnen begründet.

Man unterscheidet zwischen:

Gehstöcken (fest und klappbar) 
-> geeignet für Pompe-Betroffene
Gehstöcken mit geformten Handgriff -> geeignet für Pompe-Betroffene
Unterarmgestützen -> geeignet für Pompe-Betroffene
Achsel- und Arthritisstützen -> ungeeignet für Pompe-Betroffene

Gehgestelle

Relevanz für Pompe-Betroffene: gering

Gehgestelle werden während des Gehvorganges angehoben und dann wieder ein paar Zentimeter weiter aufgesetzt. Der Vorgang des Anhebens setzt eine recht stabile Rücken- und Schultermuskulatur voraus, was bei den meisten Pompe-Betroffenen häufig nicht mehr der Fall ist. Ein durch das Anheben verursachtes Ungleichgewicht könnte zu Stürzen führen.

Gehwagen

Relevanz für Pompe-Betroffene: gering

Gehwagen sind ähnlich wie Gehgestelle allerdings mit Rollen, so dass man das Gestell bzw. den Gehwagen nicht anheben muss. Da diese Gehwagen allerdings ohne Bremsen sind, sind sie für Pompe-Betroffene nicht ganz ungefährlich. Wenn man erst einmal "in Fahrt" kommt, steht es mit dem Abbremsen schlecht. Pompe-Betroffene können in der Regel keinen "Ausfallschritt" machen, um den nach vorn gebeugten Körper abzufangen. Ein Sturz wäre dann unvermeidlich.

Fahrbare Gehhilfen

Relevanz für Pompe-Betroffene: mittel

Fahrbare Gehhilfe - Deltarad


Fahrbare Gehhilfen (Deltaräder, dreirädrig) sind ähnlich wie Gehwagen, allerdings mit Bremsen versehen. Diese Art der Fortbewegung ist schon ehr für Pompe-Betroffene geeignet. Das setzt aber immer noch genug motorische Fähigkeiten und Kraft in den Händen voraus, um die Bremsen auch betätigen zu können.

Abb. links: Beispiel eines Deltarades

Rollatoren

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

Rollator

Rollatoren sind wie fahrbare Gehhilfen, allerdings meist noch mit Korb und Sitzbrett ausgerüstet. Also recht komfortabel und durchaus für Pompe-Betroffene zu empfehlen. Allerdings gelten hier die gleichen Einschränkungen wie bei den fahrbaren Gehhilfen - die Kraft in den Händen muss noch ausreichend sein, um die Bremsen betätigen zu können.


Abb. links: Beispiel eines Rollators

Rollator für den "harten" Ausseneinsatz:

Es gibt Rollator-Modelle, die speziell für den etwas härteren Einsatz im Outdoor-Bereich geeignet sind, das sind z.B.:

  • Trionic Walker
  • Topro Olympos

von der Firma Topro.

Rollstühle

Vorbemerkungen

Rollstühle gewinnen im weiteren Verlauf der Erkrankung zunehmend an Bedeutung und werden irgendwann zwingend erforderlich. Doch welcher Rollstuhl ist der "richtige" bzw. der geeignete für den Pompe-Erkrankten? Eine komplexe Frage, da der Verlauf bei den Patienten recht unterschiedlich sein kann. Im Laufe der Zeit und nach vielen Kontakten mit Betroffenen hat sich aber eine grobe Richtung herausgestellt:

Bei Beginn der Erkrankung:

  • Zunächst Gehhilfe (Stock, oft auch Rollator) und dann der Schieberollstuhl.

Bereits kurze Zeit später:

  • Umrüstung des Schieberollstuhles zum Elektrorollstuhl (z. B. e-fix) bzw. die Versorgung mit einem Elektrorollstuhl

Die Umrüstung zum e-fix bzw. die Verordnung eines Elektrorollstuhles steht eigentlich bereits bei der Verordnung eines Schieberollstuhles schon im Raum!

Der Patient unterliegt anfangs allerdings der Meinung "Ich kann das alles noch" und vergisst dabei, das die Gesamtmuskulatur betroffen ist, somit auch die Armmuskeln. Die Kraft reicht schon bald nicht mehr aus, um das Körpergewicht und das Eigengewicht des Schieberollstuhles zu bewältigen. Diese späte Einsicht wird seitens der Krankenkasse oft schon mit einer rigorosen Ablehnung des Elektrorollstuhles bestraft. Nicht, das man nicht einen Anspruch hätte auf den Rollstuhl. In der Regel bekommt man ihn dann auch - irgendwann. Mit Widerspruch, Einschaltung des MDK, vielleicht sogar mit Sozialgerichtsprozess - und das kann dauern.

Also bitte bei sämtlichen großen Hilfsmittel-Verordnungen, bitte langfristig denken! Wenn es ein kleiner Rollstuhl sein soll und solange man noch allein aufstehen kann ( z. B. umsetzen auf Toilette oder Bett) wäre von vornherein z. B. ein e-fix die beste Wahl. Man bewahrt sich so seine Selbstständigkeit und ist sowohl im Innen- als auch Außenbereich weniger auf die Hilfe von Angehörigen oder Fremden angewiesen.

Rollstühle gibt es in den verschiedensten Varianten.

Schieberollstuhl (ohne und mit Radantrieb) / Klapprollstuhl / Leichtrollstuhl

Relevanz für Pompe-Betroffene: mittel

Der Schieberollstuhl - liebevoll auch gelegentlich AOK-Shopper genannt - gehört wohl zur Grundausstattung eines jeden Muskelkranken im Anfangsstadium. Diese Rollstuhl-Art ist leicht zerlegbar, klein, leicht und wendig - zumindest die aktuellen Modelle aus Aluminium (Leichtrollstuhl). Bei ausreichender Muskelkraft in den Armen und bei ausreichendem "Schiebepersonal" durchaus geeignet. Die schweren Stahlrohrahmen-Rollstühle kommen von vornherein nicht in Frage!

Will man sich als Pompe-Patient aber seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit bewahren, führt mittelfristig der Weg an einem Elektrorollstuhl nicht vorbei. Möchte man die Selbständigkeit eines Elektrorollstuhles mit der Flexibilität eines Faltrollstuhles verbinden, so bietet sich z. B. der e-fix der Firma Alber an. In der Übergangsphase der Erkrankung können auch durchaus Schiebe-Rollstühle mit zusätzlichem Radantrieb in Frage kommen. Bei diesen Modellen wird der Rollstuhl mit eigener Muskelkraft bewegt, ein Motor in den Rädern verstärkt aber den Schwung und hält den Rollstuhl damit in Bewegung. Beispiel: e-motion der Firma Alber.

 

Elektrorollstuhl ohne Aufstehfunktion

Relevanz für Pompe-Betroffene: mittel - hoch

Es gibt viele Elektrorollstühle. Welcher Rollstuhl sich im Einzelfall für einen selbst eignet, lässt sich nur an Hand der persönlichen Gesundheitssituation (Gesundheitszustand, Restkraft, etc.) und Lebensumstände (Wohnsituation, PKW, Partnerschaft, etc.) beurteilen. Elektrorollstühle ohne Aufstehfunktion sind insbesondere für Pompe-Patienten nur solange wirklich gut, wie sie genügend Kraft haben, um sich allein aus dem Rollstuhl aufzurichten.

  • Für den Innenbereich eignen sich besonders kleine Elektrorollstühle wie z. B. ein e-fix.
  • Für den Außenbereich ist ein schwererer Rollstuhl mit großen Reifen besser geeignet, um z. B. besser auf gepflasterten Gehwegen fahren zu können oder um keine Probleme mit Bordsteinkanten zu bekommen.
  • Möchte man ein geeignetes Rollstuhl-Modell für den Innen- und Außenbereich bekommen, muss man wiederrum vorher sehr genau die persönlichen Grundbedürfnisse abklären. In der Regel wird es wohl ein größerer Rollstuhl sein, der auch noch wendig genug für den Innenbereich ist.

Elektrorollstuhl mit Aufstehfunktion

(Siehe auch: Aufstehhilfen - Elektrorollstuhl mit Aufstehfunktion)

Relevanz für Pompe-Betroffene: hoch

Diese Art des Rollstuhles ist meines Erachtens, das Mittel der Wahl bei Morbus Pompe, wenn der Patient langfristig seine Kraft erhalten möchte.

Der Elektrorollstuhl mit Aufstehfunktion ist eigentlich ein ganz "normaler" großer Elektrorollstuhl, der aber auf Grund seiner Aufstehfunktion in besonderem Maße zur Mobilität von Pompe-Betroffenen beiträgt. Er vereinigt die Möglichkeit sich im Haus und außerhalb des Hauses selbstständig zu bewegen und der Patient ist jederzeit in der Lage mit Hilfe der Hubvorrichtung in den Stand zu kommen.

Nachfolgend einige Webadressen von Rollstuhl-Herstellern:

Treppensteiger

Treppensteiger sind elektrische Hilfen um Treppen im Rollstuhl sitzend zu überwinden. Weit verbreitet sind die Modelle:

 

PKW / LKW

Solange man noch einen Faltrollstuhl (Schieberollstuhl, Leichtrollstuhl, e-fix, etc.) hat, ist der Transport des Rollstuhles in einem PKW noch recht unproblematisch. Bei großen Rollstühlen wird es komplizierter. Der Kleinwagen oder die Limousine reichen dann nicht mehr aus. Benötig wird i.d.R., je nach persönlichem Anspruch, ein Mini-Van, Mini-Bus oder sogar Kleintransporter mit Rollstuhllift, klappbarer Auffahrrampe oder elektrischer Hebebühne. Hierzu gibt es einige PKW-Umrüster in Deutschland, die individuelle Lösungen anbieten.

Bei den PKW / Transporter-Umrüstern werden alle gängigen Modelle umgerüstet. Eine Auflistung der Modelle ist hier nicht sinnvoll, da wirklich fast jeder PKW bzw. (Klein-) Transporter umgebaut werden kann. Hier sind die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen entscheidend. Neuwagen sind in der Regel ab 18.000,00 Euro (nach oben kaum Grenzen) zu bekommen. Es werden aber auch viele Gebrauchtwagen gehandelt.

Die Kosten für einen rollstuhlgerechten PKW bzw. die Umrüstung oder das Anbringen eines Hubliftes etc. werden nicht von den Krankenkassen übernommen. Verdient man allerdings mit diesem PKW sein Geld (z.B. als Handelsvertreter), so ist eine teilweise Kostenübernahme durch das Arbeitsamt / Versorgungsamt eventuell möglich. Erkundigen Sie sich bitte vor Abschluss eines Kaufvertrages bzw. vor der Umrüstmaßnahme nach Zuschüssen!

Nachfolgend einige PKW-Umrüster mit weitreichenden Erfahrungen im behindertengerechten Fahrzeugbau:

Umrüster
Firmenprofil / Erläuterungen
Apener Maschinenbau, Förderanlagen und Hebetechnik Gustav Bruns

Apener Maschinenbau, Förderanlagen und Hebetechnik
Gustav Bruns

GmbH & Co. KG
Hauptstraße 101

26689 Apen

PKW-Umrüster in Apen (Friesland). Der PKW muss bereits vorhanden  sein. Der Umbau erfolgt in Apen. Eigene Fabrikation! Beratung (am besten mit Termin) vor Ort möglich und sinnvoll. Hier werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Umfangreiches Prospektmaterial kann telefonisch angefordert werden.


Behinderten-Automobile Rastede
Klein Feldhus 44
26180 Rastede
PKW-Umrüster in Rastede. Verkauf und Umrüstung von Neu- und Gebrauchtwagen.

Kirchhof Mobility GmbH & Co.KG
Industriepark
Justus-von-Liebig-Str. 7-9

D-26160 Bad Zwischenahn

PKW-Umrüster an verschiedene Standorten in Deutschland, darunter auch in Bad Zwischenahn (ehemals Fa. Jelschen). Verkauf und Umrüstung von Neu- und Gebrauchtwagen. Ausschließlich Behindertenfahrzeuge. Der Umbau (verschiedene Einbau-Fabrikate) erfolgt u.a. in Bad Zwischenahn. Beratung (am besten mit Termin) vor Ort möglich und sinnvoll. Hier werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Prospektmaterial kann telefonisch angefordert werden.

Zentrale

PARAVAN GmbH

PARAVAN-Straße 5-10
72539 Pfronstetten-Aichelau

PKW Umrüster aus Pfronstetten-Aichelau mit verschiedenen Niederlassungen. Verkauf und Umrüstung von Neu- und Gebrauchtwagen. Ausschließlich Behindertenfahrzeuge. Der Umbau (verschiedene Einbau-Fabrikate) erfolgt entweder in Aichelau oder in Heidelberg. Beratung (am besten mit Termin) vor Ort möglich und sinnvoll. Hier werden alle Möglichkeiten durchgespielt. Prospektmaterial kann telefonisch angefordert werden.


Petri + Lehr GmbH & Co KG

Petri + Lehr
GmbH & Co KG

Hans-Böckler-Str. 1

63128 Dietzenbach

PKW-Umrüster in Dietzenbach bei Frankfurt am Main. Eine Umrüstung kann in Dietzenbach oder bei einem Partner-Umrüstbetrieb erfolgen. Beratung (am besten mit Termin) vor Ort möglich und sinnvoll. Hier werden alle Möglichkeiten durchgespielt und eine Lösung gefunden. Prospektmaterial kann telefonisch angefordert werden. Umfangreiche und ständig aktualisierte Informationen auf der Internetseite.

Trainingsgeräte

Fit bleiben heißt die Devise. Gezieltes Bewegungstraining für die erschlaffende Muskulatur ist wichtig, um dem Muskelschwund entgegenzuwirken und eine Verkürzung der Sehnen zu vermeiden. Es gibt manuelle und elektrische Trainingsgeräte.

Die Relevanz der einzelnen Trainingsgeräte ist für Pompe-Betroffene unterschiedlich hoch, je nach aktueller Ausprägung des Krankheitsbildes. Somit lässt sich nur sagen: "Jedes Trainingsgerät zu seiner Zeit".

Manuelle Geräte können sein (exemplarisch):

  • Igel-Ball, zur Förderung der Motorik der Hände.
  • Gummibänder, eine Art Expander zur Kräftigung der Arm- und Rückenmuskulatur.
  • Heimtrainer / Fahrrad -> wer noch den Heimtrainer benutzen kann, sollte das tun.


Elektrische Geräte können sein (exemplarisch):

  • Das Laufband, dies setzt aber eine noch vorhandene "Kippsicherheit" und ausreichend Muskelkraft des Patienten voraus.
  • Moto-Med-Viva, ein komfortabler vollelektronischer Heimtrainer, der die Beinmuskulatur trainiert. Gibt es auch in der Kombination für Arm- / Beintraining. Die Kosten für den Moto-Med werden, bei Nachweis der medizinischen Notwendigkeit, i.d.R. von den Krankenkassen übernommen.
  • Galileo® Trainingsgeräte / Therapiegeräte, das sind Vibrationstrainer, die bereits erfolgreich bei Pompe-Betroffenen eingesetzt werden. Weblink: www.galileo-training.com


Wer noch in der Lage dazu ist, sollte schwimmen, wandern, Fahrrad fahren so lange es noch geht. Jede Art von vernünftiger sportlicher Aktivität an frischer Luft ist begrüßenswert. Aber gehen Sie dabei nicht an die Leistungsgrenze, sondern haushalten Sie mit Ihren Kräften.

Pflegehilfsmittel

Pflegehilfsmittel gibt es reichhaltig. Hier sollen nur die Pflegehilfsmittel betrachtet werden, die im weitesten Sinne zur Mobilität beitragen.

  • Der Pflegelattenrost / Pflegeeinlegerahmen bzw. das Pflegebett,
  • Umsetzhilfen, Patientenlift
  • Transfer- und Rutschbretter
  • Gleitmatten, Gleittücher

Pflegelattenrost (Pflegeeinlegerahmen) / Pflegebett

Der Pflegelattenrost ist in meinen Augen von so hoher Bedeutung, dass ich ihn auch unter Aufstehhilfen ausführlich behandelt habe.

Der Pflegelattenrost bzw. das Pflegebett ist unverzichtbar, wenn man sich nicht jeden Morgen aus seinem Bett quälen möchte.

Unterschied zwischen Pflegebett und Pflegelattenrost:

Das Pflegebett ist ein separates Bett mit elektrisch verstellbaren Lattenrost, Absturzsicherung an beiden Seiten und Aufrichthilfe (Galgen) am Kopfteil. Der Lattenrost lässt sich elektrisch sowohl im Kopf- und Fußteil als auch in der Höhe individuell einstellen. Bei einigen Modellen kann der Lattenrost bis in eine Höhe von 1,20 m gefahren werden. Damit soll dem Pflegepersonal ein erleichterter Zugang zum Patienten ermöglicht werden und es wird dem Patienten auch das Aufstehen aus dem Bett erleichtert.

Diese Art des Pflegebettes ist für einzelne Personen gut geeignet. Für Partner-Ehebetten eignet sich besser der Pflegelattenrost. Dieser Lattenrost wird anstelle des alten Lattenrostes in das Bett eingesetzt, hat aber sonst die gleichen Funktionen wie das Pflegebett. Ein klarer Vorteil ist, dass das Schlafzimmer bzw. die Betten unverändert bleiben. Ein Pflegelattenrost kann selbstverständlich auch in ein gutes Einzelbettgestell eingesetzt werden.

Eine schönen Überlick über das was in Bezug auf Pflegebetten heute technisch machbar ist, können Sie auf der nachfolgenden Website sehen: www.physionova.de (nur exemplarisch).

Für weitere Informationen, insbesondere zu Modellen und Ausstattungsmerkmalen empfehle ich Ihnen den Kontakt zu einem Sanitätshaus Ihres Vertrauens.

Umsetzhilfen / Patientenlift

Umsetzhilfen sind Hebevorrichtungen die den Transport z. B. vom Bett in den Rollstuhl oder vom Rollstuhl auf die Toilette ermöglichen. Auch hier gibt es die unterschiedlichsten Varianten. Mobile Umsetzhilfen aber auch stationäre Deckensysteme, sogar Deckenschienensysteme, die durch mehrere Zimmer gehen, sind möglich.

Nachfolgend ein paar informative Links zum Thema Umsetzhilfen (exemplarische Beispiele):

Bei den Patientenliftern ist zu beachten, dass Patienten mit starker Osteoporose durch falsche Anwendung (falsche Lagerung / falscheTransporttücher / Befestigungsbänder zu stark angezogen) beim Transport unter Umständen Knochenbrüche erleiden können. Also vor dem Ausprobieren unbedingt die Vorführenden darauf hinweisen, wenn eine Osteoporose vorliegt.

Transfer- und Rutschbretter

Rutschbretter bieten die Möglichkeit des Umsetzens z. B. vom Rollstuhl zum Bett oder die Toilette oder das Sofa etc. In der Regel ist für den Umsetzvorgang die Unterstützung durch eine Hilfsperson erforderlich.

Nachfolgend ein paar informative Links zum Thema Rutschbretter (exemplarische Beispiele):

Gleitmatten / Gleittücher

Gleitmatten sind Umdrehilfen, die es dem (noch teilmobilen) Patienten ermöglichen, selbständig seine Lage (vom Rücken auf die Seite und zurück) im Bett zu verändern.

Bei Patienten, die sich nicht mehr allein umdrehen können, ermöglichen diese Lagerungshilfen dem Pflegepersonal, mit relativ geringem Kraftaufwand, den Patienten umzulagern.

Die Gleitmatten (Umlagerungshilfen) sind in der Regel zum Verbleib unter dem Patienten gedacht.

Nachfolgend ein paar informative Links zum Thema Rutschbretter (exemplarische Beispiele):

Gleittücher dienen dem Patienten bei der (kurzfristigen) Positionierung z.B. im Bett oder Rollstuhl. Sie sind nicht für den dauerhaften Verbleib unter dem Patienten gedacht.